Edith Bach - Nachtigall vom Funkerberg

Die erste Sängerin im deutschen Rundfunk

Tafel anlässlich der Namensverleihung für das Verwaltungsgebäudes nach Edith BachTafel anlässlich der Namensverleihung für das Verwaltungsgebäudes nach Edith Bach © FHF Fotopool

Die 1896 geborene Edith Bach ist mit der Stadt Königs Wusterhausen als „Wiege des deutschen Rundfunks“ eng verbunden. Nachdem am 22. Dezember 1920 mit einem Weihnachtskonzert die erste Rundfunksendung Deutschlands vom Sender in Königs Wusterhausen ausgestrahlt worden war, sang Edith Bach live vom Funkerberg bei den bald regelmäßig gesendeten Sonntagskonzerten. Unter den Nationalsozialisten musste die Opernsängerin trotz ihrer Popularität aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln Deutschland verlassen.


Die „Nachtigall von Königs Wusterhausen“ wurde sie genannt. In einem der wenigen erhaltenen Zeitungsausschnitte über Edith Bach nennt „Das Organ“ vom 20. Januar 1932 folgenden Grund:

„Spezialität ihrer Sopran-Stimme ist der Glocken-Triller, den sie 32 Sekunden hält“.

Die damals bereits bekannte Opernsängerin wurde Anfang der 1920er Jahre die erste Sängerin im deutschen Rundfunk. Und das kam so: Nach dem Ersten Weltkrieg übergab das Militär seine Hauptfunkstelle in Königs Wusterhausen zur zivilen Nutzung an die Deutsche Post. Unter Leitung des Ministerialdirektors im Postministerium, Hans Bredow, tüftelten nun die Mitarbeiter über Möglichkeiten, Töne per Funk zu übertragen. Ein Unterhaltungsrundfunk für alle war das Ziel.

Am 22. Dezember 1920 erklang das erste, noch kleine und bescheidene Radiokonzert Deutschlands über den Sender in Königs Wusterhausen. Sowohl auf ihren eigenen als auch auf geborgten Instrumenten spielten die Postmitarbeiter „Stille Nacht, heilige Nacht“. Bald hieß es jeden Sonntag um elf Uhr:

„Hier ist die Hauptfunkstelle Königs Wusterhausen auf Welle 1.300 Meter, wir bringen Ihnen jetzt unser Sonntagskonzert.“

Mehr als 20 dieser Sonntagskonzerte bestritt Edith Bach. Am 13. September 1925 beispielsweise sang sie laut Programm das Wiegenlied von Franz Schrecker, die Elegie von Massenet, die Serenade von Toselli und die Titania-Arie aus Mignon. Allein Geld verdiente sie damit nicht. Im Gegenteil. Wie sich der Chefmechaniker Walter Mehle erinnert, mussten die Künstler und sonstigen Mitwirkenden sogar noch das Fahrgeld nach KW selbst bezahlen. 1926 wurde das letzte Sonntagskonzert aus Königs Wusterhausen übertragen. Denn inzwischen war in Berlin der öffentliche Rundfunk offiziell auf Sendung gegangen.

„Das sehr beliebte Fräulein Bach“ hörte man auch weiterhin im Rundfunk. Die Schallplattenfirma Parlophon hatte ihr gesamtes Repertoire aufgenommen. Und nun erklang die Musik aus dem Lautsprecher nicht mehr live, sondern von der Platte. Edith Bach gab derweil Konzerte im In- und Ausland. Der Spremberger Anzeiger feierte sie am 7. Mai 1927:

„Edith Bach, die Nachtigall des Berliner Rundfunks, erwies sich wirklich als eine Koloratursängerin, die ihres Gleichen sucht und erweckte mit ihrer Sangeskunst einen wahren Sturm der Begeisterung.“

In Groningen wurde sie im Februar 1928 angekündigt als: „Edith Bach, de nachtegaal van Königswüsterhausen“.

Im Juni 1939 emigrierte die Jüdin Edith Bach – inzwischen verheiratete Kaczynski – mit ihrem Mann und den zwei Söhnen nach London. Obwohl jüdisch wurde die Familie als Deutsche elf Monate von 1940 bis 1941 auf der Isle of Man interniert. Edith Bach konnte ihre Karriere als Sängerin nicht fortsetzen. Stattdessen arbeitete sie im Geschäft ihres Mannes und sang über viele Jahre regelmäßig in der Synagoge. Die Nachtigall von Königs Wusterhausen kehrte nicht nach Deutschland zurück.

Finden Sie hier eine filmische Hommage zu Ehren Edith Bachs, zusammengestellt vom Schwiegersohn des Sohnes Edith Bachs Oliver Bloom.

An der Fachhochschule für Finanzen ist von nun das Verwaltungsgebäude nach Edith Bach benannt.

 

Wolf-Dieter Säuberlich/Cathrin Meixner

Quelle

Cathrin Meixner (Hrsg.): Orte und Spuren von Frauen in Königs Wusterhausen.

Letzte Aktualisierung: 09.12.2016