Namensgebungen anlässlich des 25-jährigen Jubiläums

Ehrung herausragender Persönlichkeiten


Lageplan der umbenannten Häuser auf dem CampusLageplan der umbenannten Häuser auf dem Campus © FHF Fotopool

Im Rahmen der Festveranstaltung anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Bestehens der Fachhochschule für Finanzen, der Landesfinanzschule und der Fortbildungseinrichtung der Finanzverwaltung wurden vier Gebäude auf dem Campus feierlich nach herausragenden regional bedeutsamen Persönlichkeiten benannt. Anstoß für diesen Schritt war eine Veranstaltung mit Zeitzeugen anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Außenlagers Königs Wusterhausen. Eine der anwesenden Ehefrauen eines der geladenen Zeitzeugen regte die Staatssekretärin Daniela Trochowski zu diesem Schritt an.

Studierende der Fachhochschule präsentierten die Persönlichkeiten und verliehen die Namen: Edith Bach für das Verwaltungsgebäude Haus 4, Lothar Kreyssig für das Seminargebäude, Rolf Grabower für das Hörsaalgebäude und Martha Mosse für das Unterkunftsgebäude Haus 5. Nachfahren Edith Bachs waren eigens zur Namensgebung angereist. Edgar Kaczynski, Sohn Edith Bachs, rührte mit seinen Dankesworten das Publikum buchstäblich zu Tränen. Erfahren Sie mehr über die ausgewählten Persönlichkeiten:

Die 1896 geborene Edith Bach (A) ist mit der Stadt Königs Wusterhausen als „Wiege des deutschen Rundfunks“ eng verbunden. Nachdem am 22. Dezember 1920 mit einem Weihnachtskonzert die erste Rundfunksendung Deutschlands vom Sender in Königs Wusterhausen ausgestrahlt worden war, sang Edith Bach live vom Funkerberg bei den bald regelmäßig gesendeten Sonntagskonzerten. Unter den Nationalsozialisten musste die Opernsängerin trotz ihrer Popularität aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln Deutschland verlassen. Erfahren Sie mehr über Edith Bach.

Lothar Kreyssig (B) war ein Jurist mit Zivilcourage. Als einziger deutscher Richter prangerte er die Euthanasiemorde der Nationalsozialisten an, erstattete Anzeige wegen Mordes und brachte das Wesen des Rechtsstaats in dem Satz „Ein Führerwort schafft kein Recht“ auf den Punkt. Aufgrund von Zwangsbeurlaubung und Zwangspensionierung aus dem Amt entfernt, widmete sich der evangelische Christ mehr und mehr der kirchlichen Arbeit. Seine Bestrebungen einer Aussöhnung mit Israel nach Kriegsende gipfelten in der Gründung der „Aktion Sühnezeichen“, womit er ein bedeutsames bis in die Gegenwart wirksames Erbe hinterlässt. Erfahren Sie mehr über Lothar Kreyssig.

Die Vita der 1884 geborenen Martha Mosse (D) ist facettenreich und für ihre Zeit ungewöhnlich. Die Tochter aus gutem Hause studierte trotz fehlenden Abiturs Jura und schloss ihr Studium mit Promotion ab. Die erste Polizeirätin (1926) Berlins schied 1933 aus rassischen Gründen aus dieser Laufbahn aus. Fortan wirkte sie als Leiterin der Wohnungsberatungsstelle der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Hier geriet Dr. Martha Mosse aufgrund der erzwungenen Zusammenarbeit mit der Gestapo in Konflikt, im Rahmen ihrer Möglichkeiten warnte sie jedoch die von Deportation Betroffenen. Erfahren Sie mehr über Martha Mosse.

Dr. Rolf Grabower (C) erwarb sich große Verdienste um die deutsche Steuerverwaltung, da er die Einführung der Umsatzsteuer begleitete und die moderne Betriebsprüfung maßgeblich geprägt hat. Zunächst Ende 1935 aus rassischen Gründen zwangspensioniert, wurde er 1942 nach Theresienstadt deportiert. Grabower gelangte nach der Befreiung als Richter an den Bayerischen Obersten Finanzgerichtshof in München und ab Oktober 1945 als Oberfinanzpräsident nach Nürnberg. Sein steuerrechtliches Fachwissen stellte er in den Dienst der jungen Bundesrepublik Deutschland. Erfahren Sie mehr über Rolf Grabower.

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Letzte Aktualisierung: 09.12.2016